"[...] Vor Ausbruch des Krieges bestand das U.S. Army Medical 
Department aus einem surgeon general, 30 surgeons und 83
assistant surgeons.

Drei surgeons und 21 assistant surgeons legten ihr Amt nieder
und schlossen sich der Konföderation an, drei weitere assistant
surgeons wurden wegen mangelnder Loyalität entlassen. Die
wachsende Anzahl der Soldaten und die massiven Verluste erhöhten
die Anzahl der Feldärzte, die im Laufe des Krieges in der
Unionsarmee ihren Dienst verrichteten, auf etwa 12.000.
Konföderierte Dokumente verzeichnen 3.237 Feldärzte (diese
Ziffer beinhaltet weder Zivilisten, noch Freiwillige). Das
konföderierte Medical Department beinhaltete auch ein Corps von
Zahnärzten. Diese füllten Löcher in Zähnen, zogen Zähne und
richteten gebrochene Kieferknochen. [...]
Die meisten dieser Ärzte hatten nur sehr eingeschränkte
Berufserfahrung, sie sollten sie in den überlaufenen Lazaretten
jedoch schnell genug erlangen. [...] Die Verwundeten wurden
anfangs auf Bahren oder Ambulanzwagen (speziell modifizierten
Wagen) zu den Feldlazaretten gebracht und später mit Wagen,
Zügen oder Lazarettschiffen in größere Krankenhäuser hinter der
Frontlinie gebracht.[...]

Zu Beginn des Krieges existierten relativ wenige Hospitäler,
aber es wurden mehrere Arten von Lazaretten entwickelt. Für die
sofortige Versorgung wurden in der Nähe des Schlachtfeldes
Feldlazarette aus Zelten errichtet. Diese wurden häufig auch auf
nahegelegene Gebäude ausgedehnt. Für die längerfristige Pflege
wurden Krankenhäuser, hauptsächlich in größeren Städten,
eingerichtet. Sogenannte >Way hospitals<, die entlnag der
Bahnlinien errichtet wurden, versorgten die Soldaten auf ihrem
Weg zu den Krankenhäusern. Es gab auch spezialisierte
Krankenhäuser, z.B. für Pockenpatienten, oder das Turner`s Lane
Hospital in Philadelphia, das Störungen des Nervensystems
behandelte. [...]
Nahe der Frontline errichteten die Ärzte Verbandsstationen für
die sofortige Notfallversorgung. Ein assistant surgeon kümmerte
sich um Soldaten mit geringfügigen Wunden (die danach wieder in
die Schlacht zurückkehrten) und veranlasste den Transport der
Schwerverletzten zum Regimentslazarett, das für gewöhnlich in
einem geschützten Bereich außerhalb der Feuerzone lag. Die
Vorschriften der Union erlaubten jedem Regiment drei
Lazarettzelte, ein Sibley-Zelt und ein gewöhnliches Zelt. Sowohl
die konföderierten als auch die Unionslazarettzelte maßen 14
auf 15 Fuß und konnten acht bis zehn Patienten beherbergen. [...]
Bei Ausbruch des Krieges waren die U.S. Feldlazarette nach
Regimentern organisiert, wodurch das medizinische Personal und
die medizinischen Versorgungsgüter zerstreut wurden und
allgemeine Verwirrung entstand, wenn die Ärzte in den Wirren der
Schlacht die Einrichtungen ihres Regiments suchten.
Jonathan W. Letterman, der am 4. Juli 1862 zum Medical Director
der Army of the Potomac ernannt wurde, organisierte im Oktober
ein neues System der Feldlazarette. Es basierte auf Lazaretten
auf Divisionsebene (anstatt auf Regimentsebene) und jedem Arzt
wurden bestimmte Aufgaben zugewiesen. Lettermans Systems wurde
das Modell für alle Unionsarmeen. Die konföderierten
Feldlazarette waren meist auf Brigaden- und selten auch auf
Divisionsebene organisiert. Ein Lazarettcorps, das sich der
verwundeten Soldaten annahm, bestand aus den assistant surgeons
und 30 ausgewählten Männern aus jedem Regiment.[...]

Jonathan W. Letterman, der Medical Director der Army of the
Potomac und Organisator des Lazarettsystems auf Divisionsebene,
entwickelte ebenfalls ein spezielles Ambulance Corps, das der
gesamten U.S. Armee als Modell diente. Lettermans Vorgänger,
Charles S. Tripler, hatte bereits versucht, einige Verbesserungen
einzuführen, so z.B. die Forderung an die Brigadeärzte,
spezielle Bahrenträger auszubilden und die Anforderung einer
angemessenen Zahl von Ambulanzwagen vom Quartermaster Corps.

Triplers System wurde jedoch nicht erfolgreich umgesetzt, da die
Ambulanzwagen und deren Mannschaften weiterhin der Kontrolle
des Quartermaster Corps unterstanden, die freiwilligen Feldärzte
unerfahren waren und die Feldoffiziere nicht in ausreichendem
Maße kooperierten.
Die Wagen, die als Ambulanzwagen dienten, wurden häufig für
andere Aufgaben eingesetzt und die angeheuerten zivilen
Wagenlenker waren unzuverlässig. Die Bahrenträger, in der Regel
Angehörige der Regimentskapellen, sowie vom Regiment abgestellte
Soldaten, erhielten wenig oder gar keine Ausbildung im Umgang
mit Verwundeten. Dies war auch der Fall nach dem Unionsdebakel
bei 2nd Bull Run im August 1862, wo das Fehlen durchorganisierter
Ambulanzteams bedeutete, dass viele Verwundete noch Tage nach
der Schlacht ohne medizinische Versorgung auf dem Schlachtfeld
lagen. [...]

Das erfolgreiche Ambulance Corps, das Letterman schließlich
entwickelte, hatte den Vorteil, dass es dem Medical Department
unterstand. Anstatt die Ambulanzmannschaften vom Quartermaster
Corps auswählen zu lassen, wurden Gruppen von speziell
ausgebildeten Wagenlenkern und Bahrenträgern vom Medical
Department ausgewählt und die Ambulanzwagen wurden auf Corps-
und Divisionsebene organisiert, anstatt auf Regimentsebene.
Diese ausgebildeten Männer transportierten die Verwundeten
schnellstmöglich zu den Feldverbandsplätzen und von dort aus
zu den Feldlazaretten. Die transportfähigen Verwundeten wurden
dann zu den Krankenhäusern befördert, wodurch die
effizienzhemmende Überfüllung der Einrichtungen in Frontnähe
gemildert wurde. [...] Unter Lettermans Organisation des
Ambulance Corps wurden Offiziere und Soldaten dauerhaft mit
einer Aufgabe betraut und speziell in medizinischen Dingen
geschult.
Die Aufgabenbereiche entsprachen der Organisation der Armee. Ein
Captain leitete den Ambulanzdienst in einem Armeecorps mit zwei
oder mehr Divisionen. Ein 1st Lieutenant leitete eine
Ambulanzdivision, ein 2nd Lieutenant eine Brigade und ein
Sergeant ein Regiment. Auch gab es Offiziere, die sich speziell
um die Ambulanzwagen und die Pferdegespanne kümmerten. Die
verwendeten Ambulanzwagen waren größer als die anfangs benutzten
und verfügten über eine Federung, die die Fahrt für die
Verwundeten erträglicher gestaltete. Jeder Wagen führte eine
verschlossene Kiste mit Nahrungsmitteln und anderen
Versorgungsgütern mit sich. [...]

Im Juli [1863] hatte Lettermans Ambulance Corps bei Gettysburg
den ultimativen Tauglichkeitstest zu bestehen.
1.000 Ambulanzwagen waren mit 3.000 ausgebildeten Männern
bemannt und schafften den Abtransport von mehr als 14.000
verwundeten Unionssoldaten bis zum 4. Juli, dem Tag nach dem
Ende der Schlacht. [...]

Obgleich das Quartermaster Corps noch immer die Ambulanzwagen
kontrollierte, durften diese nun ausschließlich zu
medizinischen Zwecken eingesetzt werden. Die medizinischen
Helfer wurden nach wie vor von den Regimentern abgestellt, aber
das Medical Department konnte sie nun selbst aussuchen und
ausbilden. Dieses Organisationsmuster sollte von der U.S. Armee
und ausländischen Armeen noch Jahrzehnte später imitiert werden.
[...]"