Aufbau und Organisation

 

Aufbau und Organisation:

 

"[...] Vor Ausbruch des Krieges bestand das U.S. Army Medical Department
aus einem surgeon general, 30 surgeons und 83 assistant surgeons. Drei
surgeons und 21 assistant surgeons legten ihr Amt nieder und schlossen
sich der Konföderation an, drei weitere assistant surgeons wurden wegen
mangelnder Loyalität entlassen. Die wachsende Anzahl der Soldaten und
die massiven Verluste erhöhten die Anzahl der Feldärzte, die im Laufe
des Krieges in der Unionsarmee ihren Dienst verrichteten, auf etwa
12.000. 
Konföderierte Dokumente verzeichnen 3.237 Feldärzte (diese
Ziffer beinhaltet weder Zivilisten, noch Freiwillige). 
Das konföderierte
Medical Department beinhaltete auch ein Corps von Zahnärzten. Diese
füllten Löcher in Zähnen, zogen Zähne und richteten gebrochene
Kieferknochen. [...]
 
Die meisten dieser Ärzte hatten nur sehr eingeschränkte
Berufserfahrung, sie sollten sie in den überlaufenen Lazaretten jedoch
schnell genug erlangen. [...] Die Verwundeten wurden anfangs auf Bahren
oder Ambulanzwagen (speziell modifizierten Wagen) zu den Feldlazaretten
gebracht und später mit Wagen, Zügen oder Lazarettschiffen in größere
Krankenhäuser hinter der Frontlinie gebracht.[...]
 
Zu Beginn des Krieges existierten relativ wenige Hospitäler, aber es
wurden mehrere Arten von Lazaretten entwickelt. 
 
Für die sofortige
Versorgung wurden in der Nähe des Schlachtfeldes Feldlazarette aus
Zelten errichtet. Diese wurden häufig auch auf nahegelegene Gebäude
ausgedehnt. 
 
Für die längerfristige Pflege wurden Krankenhäuser,
hauptsächlich in größeren Städten, eingerichtet. 
Im Norden gab es davon über 350, allein in Washington 16. Als die überfüllt 
waren wurden auch im Patentamt und im Capitol die Verwundeten versorgt.

Das größte war Chimborazo bei Richmond, mit 8000 Betten, 5 Großküchen, Kühlhäusern, Milchvieh, einer Ziegenherde, einer Großbäckerei die mehr als 10000 Brote herstellte und einer Brauerei.

Der Süden hatte etwa 154 solcher Krankenhäuser (für verwundete Soldaten) die ab Ende 1861, alle unter Kontrolle des Militärs waren. Zuvor hatte es zahlreiche private Hospitäler gegeben. Die wurden aber wegen der zu hohen Kosten, alle (bis auf eines) geschlossen. Allein das Robertson Hospital, unter der Leitung von Sally Tompkins blieb durch einen Trick in Betrieb (siehe unter Sally Tompkins).

 
 
Sogenannte >Way hospitals<, die entlang der Bahnlinien errichtet wurden, 
versorgten die Soldaten auf ihrem Weg zu den Krankenhäusern.
 
Es gab auch spezialisierte
Krankenhäuser, z.B. für Pockenpatienten, oder das Turner`s Lane Hospital
in Philadelphia, das Störungen des Nervensystems behandelte. [...]
 
Nahe der Frontline errichteten die Ärzte Verbandsstationen für die
sofortige Notfallversorgung. Ein assistant surgeon kümmerte sich um
Soldaten mit geringfügigen Wunden (die danach wieder in die Schlacht
zurückkehrten) und veranlasste den Transport der Schwerverletzten zum
Regimentslazarett, das für gewöhnlich in einem geschützten Bereich
außerhalb der Feuerzone lag. 
 
Die Vorschriften der Union erlaubten
jedem Regiment drei Lazarettzelte, ein Sibley-Zelt und ein gewöhnliches
Zelt. Sowohl die konföderierten als auch die Unionslazarettzelte maßen
14 auf 15 Fuß und konnten acht bis zehn Patienten beherbergen. [...]
 
Bei Ausbruch des Krieges waren die U.S. Feldlazarette nach Regimentern
organisiert, wodurch das medizinische Personal und die medizinischen
Versorgungsgüter zerstreut wurden und allgemeine Verwirrung entstand,
wenn die Ärzte in den Wirren der Schlacht die Einrichtungen ihres
Regiments suchten. 
 
Jonathan W. Letterman, der am 4. Juli 1862 zum
Medical Director der Army of the Potomac ernannt wurde, organisierte im
Oktober ein neues System der Feldlazarette. Es basierte auf Lazaretten
auf Divisionsebene (anstatt auf Regimentsebene) und jedem Arzt wurden
bestimmte Aufgaben zugewiesen. Lettermans Systems wurde das Modell für
alle Unionsarmeen. Die konföderierten Feldlazarette waren meist auf
Brigaden- und selten auch auf Divisionsebene organisiert. Ein
Lazarettcorps, das sich der verwundeten Soldaten annahm, bestand aus den
assistant surgeons und 30 ausgewählten Männern aus jedem Regiment.
[...]
 
Jonathan W. Letterman, der Medical Director der Army of the Potomac und
Organisator des Lazarettsystems auf Divisionsebene, entwickelte
ebenfalls ein spezielles Ambulance Corps, das der gesamten U.S. Armee
als Modell diente. Lettermans Vorgänger, Charles S. Tripler, hatte
bereits versucht, einige Verbesserungen einzuführen, so z.B. die
Forderung an die Brigadeärzte, spezielle Bahrenträger auszubilden und
die Anforderung einer angemessenen Zahl von Ambulanzwagen vom
Quartermaster Corps.
 
Triplers System wurde jedoch nicht erfolgreich umgesetzt, da die
Ambulanzwagen und deren Mannschaften weiterhin der Kontrolle des
Quartermaster Corps unterstanden, die freiwilligen Feldärzte unerfahren
waren und die Feldoffiziere nicht in ausreichendem Maße kooperierten.
Die Wagen, die als Ambulanzwagen dienten, wurden häufig für andere
Aufgaben eingesetzt und die angeheuerten zivilen Wagenlenker waren
unzuverlässig. Die Bahrenträger, in der Regel Angehörige der
Regimentskapellen, sowie vom Regiment abgestellte Soldaten, erhielten
wenig oder gar keine Ausbildung im Umgang mit Verwundeten. Dies war auch
der Fall nach dem Unionsdebakel bei 2nd Bull Run im August 1862, wo das
Fehlen durchorganisierter Ambulanzteams bedeutete, dass viele Verwundete
noch Tage nach der Schlacht ohne medizinische Versorgung auf dem
Schlachtfeld lagen. [...]
 
Das erfolgreiche Ambulance Corps, das Letterman schließlich
entwickelte, hatte den Vorteil, dass es dem Medical Department
unterstand. Anstatt die Ambulanzmannschaften vom Quartermaster Corps
auswählen zu lassen, wurden Gruppen von speziell ausgebildeten
Wagenlenkern und Bahrenträgern vom Medical Department ausgewählt und die
Ambulanzwagen wurden auf Corps- und Divisionsebene organisiert, anstatt
auf Regimentsebene. Diese ausgebildeten Männer transportierten die
Verwundeten schnellstmöglich zu den Feldverbandsplätzen und von dort aus
zu den Feldlazaretten. Die transportfähigen Verwundeten wurden dann zu
den Krankenhäusern befördert, wodurch die effizienzhemmende Überfüllung
der Einrichtungen in Frontnähe gemildert wurde. [...] Unter Lettermans
Organisation des Ambulance Corps wurden Offiziere und Soldaten dauerhaft
mit einer Aufgabe betraut und speziell in medizinischen Dingen geschult.
Die Aufgabenbereiche entsprachen der Organisation der Armee. 
 
Ein Captain
leitete den Ambulanzdienst in einem Armeecorps mit zwei oder mehr
Divisionen. 
 
Ein 1st Lieutenant leitete eine Ambulanzdivision, 
ein 2nd
Lieutenant eine Brigade und ein 
Sergeant ein Regiment. 
Auch gab es Offiziere, die sich speziell um die Ambulanzwagen und die 
Pferdegespanne kümmerten. Die verwendeten Ambulanzwagen waren größer
als die anfangs benutzten und verfügten über eine Federung, die die Fahrt für
die Verwundeten erträglicher gestaltete. Jeder Wagen führte eine
verschlossene Kiste mit Nahrungsmitteln und anderen Versorgungsgütern
mit sich. [...]
 
Im Juli [1863] hatte Lettermans Ambulance Corps bei Gettysburg den
ultimativen Tauglichkeitstest zu bestehen. 1.000 Ambulanzwagen waren mit
3.000 ausgebildeten Männern bemannt und schafften den Abtransport von
mehr als 14.000 verwundeten Unionssoldaten bis zum 4. Juli, dem Tag nach
dem Ende der Schlacht. [...]
Obgleich das Quartermaster Corps noch immer die Ambulanzwagen
kontrollierte, durften diese nun ausschließlich zu medizinischen Zwecken
eingesetzt werden. Die medizinischen Helfer wurden nach wie vor von den
Regimentern abgestellt, aber das Medical Department konnte sie nun
selbst aussuchen und ausbilden. Dieses Organisationsmuster sollte von
der U.S. Armee und ausländischen Armeen noch Jahrzehnte später imitiert
werden. [...]"

 

Unterstützt wurden die militärischen Organisationen im Norden von der „U.S. Sanitary Comission“ und der „U.S. Christian Comission“.

Sie hatten sich zum Ziel gesetzt die Krankheitsausbreitung in der Armee einzudämmen.

Mit Erfolg, denn die Krankheitsfälle gingen um die Hälfte zurück.

Gesundheitskommissare machten Kontrollbesuche in Lagern, hielten Soldaten zu mehr Reinlichkeit an und sorgten für bessere Bedingungen und bessere Verpflegung. Auch sorgten sie dafür das Pakete und Hilfslieferungen von zu Hause auch ankamen.

Geleitet wurde die Sanitary Comission von prominenten Männern, George Templeton Strong  etwa, war der Schatzmeister. Die Arbeit verrichteten aber die Frauen, die in 7000 Ortsgruppen organisiert waren. Sie nähten, strickten, backten, wickelten Verbandsmaterial, sammelten Geld und organisierten Kundgebungen.

 Mary Livermoore, Frau eines Pfarrers, organisierte die Frauen im mittleren Westen in 3000 Ortsgruppen. Als die Armee vor Vicksburg von Skorbut bedroht war, sorgte sie für den Transport von Obst und Gemüse. Dies in solchen Mengen, dass ein Reporter schrieb:“Eine ununterbrochene Kette von Gemüse verbindet Chicago mit Vicksburg !“

 

Mary Ann Bykerdyke, Quäkerin und aktives Mitglied der Gesundheitskommission, begleitete die Armee vier Jahre lang und kümmerte sich um die Männer. Sie half bei der Versorgung der Verwundeten, aber auch sonst, wo sie nur konnte. Die Männer nannten sie „Mutter Bykerdyke“. Sherman sagte über sie :“Sie steht höher im Rang als ich !“

 

 

Die Frauen des Südens arbeiteten auch als Krankenschwestern, obwohl sie oft zu hören bekamen, es sei nicht ladylike, sich um die ungehobelten Soldaten zu kümmern.

Ebenso sammelten sie Dornen um daraus Injektionsnadeln zu machen. Aus jeder halbwegs brauchbaren Naturfaser wurden Verbandstoffe gemacht.