Geschichten und Erlebnisse

 

 

Unter diesem Unterpunkt nun die Überlieferungen  von Zeitzeugen, über die Zustände und ihre Empfindungen:

 

 

 

Clara Barton rettete bei Antietam Hunderte von Soldaten, als sie
Unmengen von Verbandsmaterial und Narkotika organisierte (zu diesem
Zeitpunkt hatten viele Ärzte nach eigener Aussage "bereits das letzte
Bettlaken zerrissen" und viele Männer verbluteten an offenen Wunden).
Als es dunkel wurde und ein Arzt, in dem Wissen, dass in der Dunkelheit
unzählige unbehandelte Verletzte sterben würden, entnervt und weinend
vor der letzten herunterbrennenden Kerze saß, sprach Clara Barton ihm
Trost zu und führte ihn nach draussen. Dort präsentierte sie ihm mehrere
Kisten voller Kerzen, die sie organisiert hatte.
Wieviele Menschenleben durch diese Aktionen gerettet wurden, kann man
nur erahnen...
Außerdem verrichtete sie ihre Arbeit, während von außen Kartätschen

gegen das Farmhaus prasselten und Kanonenkugeln die Fenster zerschlugen. Als sie einem Verwundeten Wasser gab, durchschlug eine Kugel ihren Ärmel und tötete den Mann unter ihren Händen. Später organisierte sie einen Rettungstrupp und barg unter Gewehrfeuer Verwundete vom Schlachtfeld.

 

 

Phoebe Pember war eine Witwe die es erreichte im Chimborazo Hospital, als erste Krankenschwester eingestellt zu werden. Sie fand sich selbst "inmitten von Leid und Tod, mit denen hoffend, die fast keine Hoffnung mehr haben; betend am Bett von Einsamen und Verzweifelten; die Augen von den Jungen schließend, die kaum alt genug waren, um die Sorgen der Menschen zu Verstehen"
Nichts veranschaulicht die Opfer und Qualen besser als eine Frostnacht des Jahres 1863, die sie bei einem Jungen namens Fisher durchwachte. Er war der Liebling ihrer Station, ein Junge, der eine schlimme Beinverletzung hatte und ohne Amputation davongekommen war. Jetzt, zehn Monate später, machte er Spaziergänge auf und ab zwischen den Bettreihen. "Er war trotz aller Schwierigkeiten immer tapfer, frisch und herzlich, interessiert und so liebenswürdig und klaglos, dass wir ihn alle ins Herz geschlossen hatten", schrieb sie. Aber in dieser Nacht wurde sie an sein Bett gerufen. Blut spritzte aus seinem Schenkel. Beim Spazieren gehen hatte sich ein scharfer Knochensplitter gelöst und die Arterie durchtrennt. Sofort drückte sie ihren Finger auf die Wunde, um das Bluten zu stoppen und rief nach dem diensthabenden Arzt. Dieser schüttelte nur den Kopf. Die Arterie lag zu tief, um genäht werden zu können. Der Junge musste sterben.
"Ich saß lange bei dem Jungen", schrieb sie später. Endlich sagte sie ihm, was der Doktor ihr anvertraut hatte. Er nahm die Nachricht mit seiner üblichen Gelassenheit auf, gab ihr Anweisungen, wie sie seine Mutter benachrichtigen solle und fragte sie dann: "Wie lang kann ich noch leben?" "Nur so lange ich meinen Finger auf dieser Arterie drücke" antwortete sie. Er blieb ziemlich lange ruhig und sie fragte sich, was ihm wohl durch den Kopf ging. Endlich sprach er wieder ganz ruhig "Du kannst loslassen". Aber sie konnte es nicht, "nicht einmal, wenn mein eigenes Leben davon abgehangen hätte". Ihre Augen füllten sich mit Tränen, das Blut stieg ihr zu Kopf und klopfte in ihren Ohren, ihre Lippen wurden kalt, aber sie konnte einfach nicht loslassen. „Schließlich blieben mir die Gewissensbisse, ob ich dem Jungen gehorchen sollte, erspart und zum ersten und letzten Mal in diesen schwierigen vier Jahren wurde ich ohnmächtig"

 

 

Carl Schurz (General der Union und später Innenminister der USA)

Der Verwundete wurde auf den Tisch gehoben, oft schreiend vor Schmerzen. Der Chirurg untersuchte rasch die Wunde und beschloss zu amputieren. Etwas Äther wurde verabreicht, der Chirurg nahm das Messer, das er zwischen den Zähnen gehalten hatte, wischte es an der blutigen Schürze ab und die Amputation begann.

War die Amputation beendet, drehte sich der Arzt mit einem tiefen Seufzer um und rief : „Der Nächste !!“

 

 

Privat Alexander Hunter 17th Virginia Regt.

Nachts wurde unser Lazarett zu einer dunklen Katakombe, wo statt der  Toten, elende Gestalten lagen, vom Fieber geschüttelt, mit zerschmetterten Knochen. Männer die sich ruhelos von der einen auf die andere Seite warfen, heimgesucht von allen nur erdenklichen Qualen.

Von den Balken hingen traurig flackernde Öllampen, die ein gespenstisches Licht verbreiteten.

 

 

 

Harriet Foote Hawley:

Armory Square Hospital: Ich lerne nicht mehr so viel zu empfinden wie am Anfang, aber ich werde mich nie daran gewöhnen.

Wenn sie merkten das der Arzt sie aufgab, fragten sie mich und ich sagte ihnen die Wahrheit. Einem Mann der fragte:“ wie lange ?“, antwortete ich : „nicht länger als 20 Minuten.“

Er zeigte keine Angst, dass tun sie nie. Er schloss sich mit den eigenen Händen die Augen, dann streckte er sich aus und kreuzte die Arme über der Brust .“Jetzt können sie mich herrichten“, sagte er. Ich steckte seine Socken mit einer Nadel zusammen, so bahren wir die Toten auf. Innerhalb von ein paar Minuten war er tot, sein Gesicht sah ganz friedlich aus, als wäre er eingeschlafen. Es passiert oft das die Jungs sich selbst herrichten bevor sie sterben.

 

(Frau aus dem Süden)

„Hier im Süden hatten wir keine Gesundheitskommission, wir waren viel zu arm. Bei uns gab es keine großen, wohlhabenden, mit einem dichten Eisenbahnnetz verbundenen Städte.

Bei uns war jedes Haus ein Lazarett“

 

 

Der berühmte Dichter Walt Whitman, ein Patriot der Union, war für die Einberufung zu alt, hatte für einen Offiziersposten nicht die Ausbildung und war nicht gewillt auf andere Menschen zu schießen. Als er seinen bei Antietam verwundeten Bruder im Lazarett aufsuchte, erschrak er vor den unhaltbaren Zuständen und versuchte sich als s „Krankenwärter“ . Er tröstete, wechselte Verbände und las seine Gedichte vor.

Als er das Leid nicht mehr ertragen konnte gab er auf.

Hier seine Berichte:

Die Ärzte sagen mir, ich versorge die Patienten mit einer Medizin die mehr bewirkt als all ihre Pillen und Pülverchen. Sie hat schon manch ein Menschenleben gerettet. Also mache ich weiter. Manche meiner Jungs sterben, manche werden gesund.

Lorenzo Strong, Company A 9th US Cavalry, letzten Sonntag von einer Granate getroffen, rechtes Bein auf dem Feld amputiert. Sein Zustand hat sich verschlechtert.

Ich blieb bei ihm und beobachtete alles. Der Arzt kommt und gibt ihm etwas Chloroform, eine der Schwestern fächelt ihm Luft zu, denn es ist sehr heiß.

Er will sich aufsetzen, sie helfen ihm. Den ganzen Tag ruft er immer wieder – halb im Delirium – nach einem gewissen Marc. Das leben verlöscht langsam, seine Augen wenden sich nach innen. Zwei, drei Ärzte, ein paar Studenten und mehrere Soldaten stehen schweigend um ihn herum. Der Kampf geht weiter, wird schwächer und schwächer und dann: Stille, keine Schmerzen mehr, tot. Nach einer Weile zerstreut sich die Gruppe.

In einem Brief an seine Mutter:

17.Juni1864

Liebste Mutter,

es wird mir zuviel hier, ich glaube ich komme ein Weilchen nach Hause [......]